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Masse Mensch Ernst Toller

Masse Mensch

Regie: Alfred Haidacher

Premiere: 24.01.2018

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Katrin Ebner, Laura Kosch, Christian Krall, Alexander Kropsch, Bernd Sracnik

„Das Drama ,Masse-Mensch‘ als Totalität ist eine visionäre Schau, die in zweieinhalb Tagen förmlich aus mir ,brach‘ “, schreibt Ernst Toller im „Brief an einen schöpferischen Mittler“, über sein Werk. Das Drama, bei dem es sich laut Untertitel um „ein Stück aus der sozialen Revolution des 20. Jahrhunderts“ handelt, das den „Proletariern“ gewidmet ist, scheint zeitlos visionär, denn auch heute sind Geld, Macht und Ressourcen ungerecht verteilt. Der Großteil der Menschen ist unzufrieden und fühlt sich ungerecht behandelt, woraus negative Phänomene wie beispielsweise das Erstarken rechter Parteien, der Ausbau repressiver Systeme oder Xenophobie resultieren.

   Die Hauptfigur in Tollers Stück ist eine ambitionierte Frau, die sich gegen den Staat auflehnt und ein gerechtes System für alle fordert. Sie mobilisiert die Massen und ihre Bewegung scheint etwas verändern zu können. Die Frau will eine friedliche Revolution, doch sie verkennt die Wünsche ihrer Mitstreiter, die sich in der Figur des Namenlosen manifestieren und die Bewegung in eine gefährliche Richtung drängen.

   Das Stück stellt die Frage ob und wie es möglich ist, ein bestehendes politisches System zu verändern und welche Rolle die Masse dabei spielt. Es beschreibt die Unberechenbarkeit von Massen und stellt gewaltlosen Streik gewaltvollem Widerstand gegenüber. Damit geht auch die Frage nach dem Wert des menschlichen Lebens einher. Gibt es tatsächlich eine Rechtfertigung andere Menschen zu töten? Ist der Mensch als Teil einer Masse noch ein Individuum? Ist er als Teil der Masse für seine Taten verantwortlich? Hat die Masse an sich Macht oder nur ihre Führer?

   „Masse-Mensch“ ist ein offenes Drama und zeichnet sich durch eine expressionistische Kunstsprache aus, die den erzählten Ereignissen etwas Groteskes verleiht. Diese Eigenschaften treten vor allem in den Traumbildern, die den Kern des Stückes bilden, zutage. Durch die erzeugte Künstlichkeit werden die aberwitzigen Folgen von Gewalt und ungerecht verteilter Macht dargestellt.

 

 

Ernst Toller

   wurde am 1. Dezember 1893 in Samotschin, in der Provinz Posen geboren und war Schriftsteller, Dramatiker,  und linker Revolutionär.

Als zeitweiliger Vorsitzender der bayerischen USPD und Protagonist der kurzlebigen Münchner Räterepublik wurde er nach deren Niederschlagung im Juni 1919 verhaftet und einen Monat später zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt. Damit entging er nur knapp einer drohenden Todesstrafe.

   Bereits während seiner Haft und mehr noch danach wurde er vor allem mit seinen Dramen als einer der maßgeblichen Vertreter des literarischen Expressionismus in der Weimarer Republik bekannt.

   1932 emigrierte er zunächst in die Schweiz. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Deutschen Reich wurde Toller aufgrund seiner jüdischen Herkunft und politischen Haltung formell aus Deutschland ausgebürgert. Seine Werke gehörten zur Liste der im Mai 1933 als „undeutsch“ diffamierten „verbrannten Bücher“ im Herrschaftsbereich der NS-Diktatur. Nach mehreren Exilstationen (abgesehen von teils kurzfristigen Vortragsreisen in verschiedenen Ländern vor allem die Schweiz und England) kam er 1937 in die USA. Neben persönlichen Enttäuschungen resignierte der Pazifist und politische Moralist Ernst Toller zusehends angesichts der real erlebten Erfolge faschistischer Bewegungen, vor denen er bereits in den 1920er Jahren gewarnt hatte. Depressive Schübe häuften sich, bis er schließlich 1939 in den Vereinigten Staaten im Alter von 45 Jahren durch Suizid starb.

   Zu Tollers erfolgreichsten Werken zählen die Dramen Masse Mensch (1919 in der Festungshaft verfasst) und Hinkemann, sowie die autobiographische Veröffentlichung Eine Jugend in Deutschland. Mit dem Gedichtzyklus Das Schwalbenbuch wurde er auch als Lyriker bekannt. Toller starb am 22. Mai 1939 in New York. 

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